Firmenportrait
Tausende von Pferdestärken sind hier vor dem schmucken Betrieb Fredy Kumschicks im luzernischen Schötz aneinandergereiht
Fredy Kumschick: Der mehrfache Europameister präpariert schnelle, englische Autos im Luzerner Hinterland
In Schötz wirkt ein PS-Zauberer
In einer sanften Landschaft des Luzerner Hinterlandes, eingangs des Dorfes Schötz steht der schmucke Betrieb von Europameister Fredy Kumschick (44).
Wer, von Alberswil her kommend, Richtung Schötz fährt, dem fällt ein moderner Garagebetrieb auf der rechten Strassenseite auf. Rot, Gelb Orange oder Hellviolett leuchten die Farben der dort parkierten und ausgestellten Fahrzeuge und bilden einen markanten Kontrast zu den grünen Wiesen. Hier steht das Reich von Fredy Kumschick, einem der schnellsten Luzerner. 1989, 1990, 1991, 1992, 1993 und 1998 war der heute in Eich wohnhafte Schötzer Europameister der «European Historic Formula 2 Trophy», einer Meisterschaft, die im Schatten beispielsweise der Formel- 1-Grand-Prix steht, aber den Beteiligten nicht minder Spass beschert, auch wenn hier nicht um Millionenbeträge gekämpft wird. Nur ganz knapp, um winzige zwölf Zentimeter verpasste er in diesem Jahr einen weiteren Europameister-Titel, wurde er doch in Spa/Francorchamps nur Zweiter. So beanspruchen denn unzählige glänzende Pokale viele Meter Stellfläche in de Schötzer Garage und zeugen von den rennsportlichen Erfolgen Fredy Kumschicks.
Am Anfang - ein Cortina Lotus
Bereits als siebzehnjähriger Automechaniker-Stift erwarb er für 1000 Franken einen «kranken» Cortina Lotus und hauchte ihm wieder Leben ein, nachdem er zuvor bereits als Vierzehnjähriger Töffli frisierte. Das war der Beginn einer automobilsportlichen Karriere, die den Luzerner prägte und ihn bis heute nicht mehr losliess. Ihm, der aus einfachen Verhältnissen stammt, steht verständnisvoll Gattin Elisabeth zur Seite die das Hobby, das für beide zum Beruf wurde, teilt und im Betrieb ganz generell als gute Fee hinter den Kulissen wirkt.
Super Seven aus England
Nach seiner Lehre bei der Estumag in Sursee, wo er nicht nur an Renault-, Audi und NSU-Fahrzeugen das Handwerk lernte, sondern gelegentlich auch Landmaschinen reparieren musste, ging er drei Jahre lang dem Garagier Franz Broch zur Hand, der auf Alpine seine Rennen bestritt. Bereits damals importierte Fredy Kumschick Super Seven aus England - zunächst noch mit einem Dolmetscher. Diese legendären Sportwagen wurden von 1957 bis 1973 von Lotus gebaut. Später erwarb die Firma Caterham Car Sales die Rechte für den Weiterbau dieses Klassikers. 1978 schliesslich machte sich Fredy Kumschick selbstständig und arbeitete während fünf Jahren unter minimalen Verhältnissen in einer zur Werkstatt umfunktionierten Doppelgarage in Nebikon. Es waren harte Zeiten, und auch die ersten Typenprüfungen waren nicht so einfach zu bewältigen wie beim eingespielten Betrieb von heute.
In Schötz begann der Aufstieg
1983 zügelte Fredy Kumschick nach Schötz, wo er unter einigen Schwierigkeiten Land erwerben konnte, nachdem er zunächst auch noch mit den Banken ringen musste. Doch mit eisernem Durchhaltewillen und viel Enthusiasmus konnte er eine erste Etappe bauen und fünf Jahre später den Vollausbau beenden.
Heute beschäftigt Fredy Kumschick neun Mechaniker und zwei Lehrlinge. Einer der Mechaniker ist ständig mit den Rennboliden seines Chefs, aber auch mit solchen von Kunden beschäftigt. Neben dem Zusammenbau und dem Verkauf von Caterham Super Seven - er vermittelt auch einfache Bausätze zum Selberbauen - sind es die schnittigen Fahrzeuge von Lotus, die er ebenfalls importiert und verkauft. Als neustes und erfolgreiches Beispiel sei hier der Lotus «Elise» genannt, ein kleiner, schnittiger Sportwagen, der als Cabriolet oder als Coupé erhältlich ist.
S7C: Automobile Spitzenklasse
Bekannt geworden ist Fredy Kumschick, der jedes Jahr auch mit einem Stand am Internationalen Genfer Automobilsalon zu finden ist, ebenfalls mit seinem Caterham Super Seven Competition (S7C), der mit 252 km/h Höchstgeschwindigkeit zur automobilen Spitzenklasse zählt. Dieser Bolide verfügt über ein turbogeladenes 2,0-Liter-Opel-Triebwerk, das 303 DIN/PS abgibt. Sein verstärktes Chassis wird in England nach Kumschicks Plänen speziell angefertigt. Während der etwas ruhigeren Winterzeit werden in Schötz diese sportlichen, superschnellen Gefährte produziert, die bislang trotz eines Preises von 128'000 Franken noch immer einen Käufer gefunden haben.
Fredy Kumschick, dessen Leben eigentlich ein einziges Hobby ist, besitzt noch zwei ganz spezielle Vorlieben: Zum einen nennt er einen Bugatti EB 110 sein eigen, wie ihm überhaupt die Marke Bugatti ganz nahe ist, zum andern schwärmt er von Australien, das er während mehrerer Aufenthalte in der Winterzeit zusammen mit seiner Gattin kennen und lieben gelernt hat. Doch auswandern möchte er nicht, dafür ist er zu stark mit seiner Heimat, mit dem Kanton Luzern verbunden.
Text: Lorenz Fischer |